Photos: Oliver Dupont-Delestraint

Wenn man zu einer mehrtägigen Expedition aufbricht, stellt man sich immer die gleichen Fragen:

Haben wir das richtige Material dabei? Haben wir alles was wir brauchen? Haben wir die richtige Wahl getroffen? Haben wir nichts vergessen? Was kommt auf uns zu? Wird alles so funktionieren, wie wir es uns vorgestellt haben? Werden unsere Erwartungen erfüllt? Was sagt die Wettervorhersage?

Am frühen Nachmittag verlassen wir den Hafen in unserem neuen Boot, bereit für eine einwöchige Reise im Stockholmer Archipel.

Die LiteXP beeindruckt durch ihre Vielseitigkeit und vereint sowohl Segeln als auch Rudern.

Meine Frau Anne und ich sind keine erfahrenen Segler. Während Anne keine Segelerfahrung hat, beschränkt sich meine auf 20 Törns. Diese Reise ist für uns ein Abenteuer, besonders was den Windrichtungswechsel und Geschwindigkeiten bis zu 20 Knoten angeht. Um nichts zu riskieren reffen wir das Großsegel sicher zu gehen, fangen wir mit einem verkleinerten Hauptsegel, dem Reff, an, obwohl auch hier Durchschnittsgeschwindigkeiten von bis zu 5 Knoten oder mehr möglich sind.

Anne und ich wechseln uns beim Steuern und Navigieren ab. Das Boot hat einen unglaublichen Vortrieb und ist mit dem Catboot-Rigg leicht zu bedienen segeln. Der schlich gestaltete Segelplatz ist einfach zu bedienen. Das übersichtlich und bedienungsfreundlich konzipierte Cockpit ermöglicht ein sicheres Manövrieren in allen Bedingungen.

Der schwierigste Teil unserer Reise ist, nicht die Orientierung zwischen den tausenden kleinen Inseln im Archipel zu verlieren. Die Landkarte ist nichts für Anfänger, deshalb sind wir froh, für die die sichere Navigation unser „Navionics“ mit an Bord zu haben.

Als wir uns Huraso nähern, entscheiden wir uns, das Segel aufgrund des starken Windes zu bergen einzuholen und den Rest des Weges zum Hafen zu rudern.

 

Liteboat ist darauf spezialisiert, Ruderboote zu entwickeln und herzustellen. Auch die LiteXP ist im Ruderbetrieb sehr effizient und manövrierbar.

Auch ohne Wind kann man mit Rudern Geschwindigkeiten bis zu 3 Knoten erreichen.

Für mich als Ruderer ist es einfacher in den Hafen zu rudern als zu segeln oder mit Motorbetrieb anzulegen.

Bei der Ankunft im Hafen von Langvik werden wir von begeisterten Reisenden, die auf die Fähre warten, jubelnd empfangen. Anscheinend ist es seit der Ära der Wikinger etwas Besonderes, ein Ruderboot zu sehen.

Am ersten Tag sind wir 17,3 Seemeilen gereist, welches genau die Distanz ist, die wir uns vorgenommen haben. Wir waren glücklich und erleichtert darüber.

Unser Abendprogramm inmitten dieser unglaublichen Umgebung: schwimmen, Zelt aufbauen und Abendessen zubereiten.

Die folgenden Tage sind geprägt von den kleinen Freuden des Lebens und der Entdeckung von paradiesischen kleinen Inseln. Wir segeln zwischen den Inseln herum, um Ausschau zu halten nach dem besten Platz zum Mittagessen, dem besten Felsen zum Tauchen und dem besten Platz für ein Schläfchen unter schattigen Bäumen, bevor es am nächsten Morgen wieder weiter geht.

Mit dem hochgezogenen Steuer hat die LiteXP nur 15 cm Tiefgang, so dass wir überall hinsegeln  und die Natur genießen können. Die Abende sind aufgrund der nördlichen Sonne außergewöhnlich, spektakuläre und farbenprächtige Sonnenuntergänge inklusive. Wir lassen unseren Gedanken freien Lauf. Es ist einfach perfekt!

Auch das Übernachten in der LiteXP ist ein wahres Vergnügen. Das sanfte Schaukeln des Boots lässt uns schnell einschlafen. Unser Zelt schützt das Cockpit, das uns als Wohn- und Schlafzimmer dient und schützt unsere gesamte ganze Ausrüstung. Tatsächlich sind die Nächte im Boot so angenehm, dass wir lieber an Bord bleiben zum Übernachten anstatt unser Zelt an Land aufzubauen.

Wir legen jeden Tag ungefähr 20 Seemeilen zurück, wofür wir zwischen 4 und 5 Stunden brauchen. Da das Boot leicht ist, erreichen wir locker über 4 Knoten Geschwindigkeit, auch wenn nur eine leichter Brise Wind weht.

Da der Wind günstig steht, segeln wir Richtung Süden, in die Nähe von Moja und Haro, um wieder in Richtung Ljusterô zu kommen, wo unsere Reise begann.

Unser Vertrauen in das Boot wächst von Tag zu Tag. Das Boot ist leicht zu steuern, und seine Stabilität ist beruhigend. Wenn der Wind allerdings eine Geschwindigkeit von 15 Knoten und mehr erreicht müssen wir das Hauptsegel verkleinern und mit dem einem Reff weitersegeln.

Mittwochnachts wechselt dreht der Wind plötzlich (seine Richtung). Wir verloren den Ankerplatz, weshalb ich innerhalb weniger Minuten das Boot an Land ziehen musste, was aber aufgrund der integrierten verdeckten Räder kein Problem war.

Während der letzten zwei Tage konnten wir wie geplant mit dem Wind mit 6 bis 8 Knoten segeln. Wir hatten wirklich Spaß dabei gegen andere, viel größere Segelboote zu segeln. Am Samstag waren wir zurück im Starthafen. Zu zweit haben wir das Boot ohne eine Schwierigkeit auf den Hänger verladen.

Die LiteXP ist universell und überall einsetzbar.

Obwohl wir nur minimale Erfahrungen im Segeln haben erreichten wir trotzdem unser Ziel und haben die geplanten 150 Seemeilen zurückgelegt, auch bei Windgeschwindigkeiten über 15 Knoten.

Das Boot hat uns das Gefühl gegeben, erfahrene Segler zu sein, aber ganz ehrlich, davon sind wir noch ein ganzes Stück entfernt. Diese erste Reise mit der LiteXP als Prototyp wird uns immer in Erinnerung bleiben. Es war eine einzigartige, unvergessliche Erfahrung.